Oder warum eine Zuchtregistratur so wichtig ist!

Liebe BuckfastimkerInnen,

schon seit einiger Zeit wird über die Weiterführung des Pedigrees, der Zuchtregistratur der Buckfastbienen, diskutiert. Immer wieder wird in diesem Zusammenhang auch die Frage gestellt, ob man denn unbedingt eine neue Registratur brauche oder ob die alte nicht in ähnlicher Weise weitergeführt werden könne.

Ich muss an dieser Stelle einmal grundsätzlich erklären, warum eine Registratur so wichtig ist, bevor ich diese Frage beantworten kann.

Die Gemeinschaft der europäischen Buckfastimker hat das Erbe Bruder Adams angetreten und die Buckfastzucht weitergeführt. Wir sind ein Zuchtverband, dessen Aufgabe mit dem Antritt dieses Erbes eigentlich schon beschrieben ist. Zucht geht über die Vermehrung und das einfache Anpaaren von Königinnen auf Belegstellen hinaus. Das ist uns allen bewusst.

Einerseits erscheint es ausreichend, wie die Zucht momentan in der Datenbank von Jean Marie van Dyck dokumentiert wird. Andererseits wird diese Dokumentation den Ansprüchen einer zeitgemäßen Zuchtdatenbank jedoch nicht mehr gerecht.
Die Vereinigte Informationssysteme Tierhaltung w.V. (VIT) ist ein wirtschaftlich, aber nicht gewinnoptimierend arbeitender Verein, der sich, wie der Name schon sagt, auf die Verarbeitung von Zuchtdaten in der Landwirtschaft spezialisiert hat. Seit bereits mehr als 50 Jahren verarbeitet VIT Daten und hat sich zum größten IT-Dienstleister in diesem Sektor entwickelt. Der Verein hat seinen Sitz in Verden (Niedersachsen), wo er auch eigene Server zu Bereitstellung und Sicherung der Daten besitzt. Hier werden die Daten der wichtigsten Nutztiere verarbeitet, wozu Schweine, Rinder, Pferde, Schafe und Ziegen gehören. Wenn man sich die Ohrmarken dieser Nutztiere anschaut, so steckt VIT fast immer dahinter.

Ein Zuchtverband (dazu gehören auch alle Landes-Verbände), der sich mit Tierzucht auseinandersetzt, hat die Aufgabe, alles, was mit Zucht zu tun hat, zu dokumentieren. Bei der Zucht wird immer Auslese betrieben, so dass negative Eigenschaften positiveren Eigenschaften weichen müssen. Was für die Kuh die Milch ist, das ist für die Biene der Honigertrag. Das muss gemessen und aufgeschrieben werden. Leistungssteigerungen sind oftmals Ziel in der Zucht. Egal ob Tier- oder Pflanzenzucht. Die Daten werden von den Züchtern erhoben und müssen zusammengeführt werden. Dazu benötigt man eine Registratur.

Eine derartige Registratur kann und darf aber nicht irgendwo auf einem Server liegen. Sicherlich kann man nach einer Eigenlösung mit einer kleinen ‚IT-Bude‘ oder aber auch nach Open-Source- Lösungen suchen. Doch eines muss immer im Bewusstsein bleiben: es gibt verbindliche Standards, die eingehalten werden müssen. Profis, und dazu gehört der Dienstleister VIT, sind hier auf dem allerneusten Stand; für sie ist es kein Problem, Standards direkt umzusetzen. Laien unterlaufen oft durch Unwissenheit vermeidbare Fehler und ‚selbstgestrickte‘ Lösungen können Abhängigkeiten mit sich bringen, die wir alle nicht für wünschenswert halten. Open-Source- Lösungen sind zu unsicher, da die Daten oftmals nicht entsprechend gesichert sind oder auf unsicheren Servern liegen. Darüber hinaus muss dem Umstand Rechnung getragen werden, dass in verschiedenen Ländern unterschiedliche Rechte zu beachten sind.

Eine Zuchtregistratur muss des Weiteren sehr viele Daten beinhalten. Es fängt an mit dem Stammbaum, der Abstammungs- und Anpaarungsgenialogie. Dazu gehören Daten wie die leistungsbezogenen Informationen. Ein Gremium muss letztlich darüber entscheiden, ob Angaben im speziellen Fall vielleicht auch einfach freiwillig bleiben können oder nur für die ausgewählten Zuchttiere angegeben werden sollen. Die Buckfastzucht kennt Schwarmträgheit, Vitalität der Bienen, Vitalität der Brut, den Honigertrag, das Verwenden von Kittharz … . Dazu gehören ebenfalls Daten, wie z.B. die Anzahl der Geschwister, die selektiert wurden. Die Tiere müssen eindeutig einem Züchter zugeordnet werden können. Nicht zu vergessen: die Genetik. Wenn man das Thema Zuchtwertschätzung angeht, so müssen Wahrscheinlichkeiten berechnet, Abstammungsherkünfte berücksichtigt und die Koppelung von Eigenschaften unter Umständen in Augenschein genommen werden. Dies sind Dinge, die ein normaler Programmierer überhaupt nicht leisten kann. Dafür benötigt man Biologen und Genetiker, die Algorithmen mitentwickeln, um exakt berechnen oder auch Vorhersagen treffen zu können. Diese Experten, die über jahrelange Erfahrung verfügen, hält VIT im eigenen Betrieb vor.

Weiter geht es mit den Belegstellen: hier müsste die Anzahl der angepaarten Königinnen zu finden sein. Wie war die Anpaarungsrate bzw. der Begattungserfolg auf den Belegstellen? Hier dürfen auch keine Fehler unterlaufen, die die Drohnenlinien betreffen.

Noch wichtiger sind Informationen darüber, wo sich die Tiere befinden und was bei einem Züchterwechsel passiert, wenn beispielsweise eine selektierte Mutter oder eine Drohnen-Linie den Züchter wechselt. Bei Kühen und Säugetieren ist dies recht einfach, denn eine Ohrmarke sagt schon recht viel aus. Dazu gibt es Papiere, die zu diesen Zuchttieren gehören. Genau so muss es aber letztlich auch bei Bienen sein.

Eine professionelle Zuchtregistratur, wie sie bei VIT abgebildet wird, beginnt schon mit dem Schlupf einer Königin. Diese muss im System aufgenommen werden. Es folgt eine Begattung, die bestätigt und registriert werden muss im System. Die Königin durchläuft eine Selektion. Diese Daten müssen in einer Datenbank auffindbar sein. Das Tier wechselt den Besitzer, auch das muss in der Registratur nachvollziehbar sein. Betrügern muss das Handwerk gelegt werden. Es kann und darf nicht sein, dass z.B. Tiere mit Papieren – irgendwelchen Anpaarungsnachweisen – verkauft werden, bevor überhaupt die angegebene Belegstelle geöffnet hat.
Über entsprechende nutzerfreundliche Masken müssen Daten schnell und zuverlässig einzugeben sein. Es darf keine Arbeit sein, Zucht zu dokumentieren, sondern solche Systeme müssen Unterstützungssysteme sein, die unsere Arbeit vereinfachen.

Gerade für Neuanfänger soll auch hier ein Anreiz entstehen, Zucht zu dokumentieren – ob mit PC, Laptop, Tablet oder Handy. Möglichst einfach und so, dass die Daten auch geschützt sind. Außerdem muss eine derartige Datenbank so transparent und zugänglich geführt werden, dass auf diese Daten jederzeit ein Zugriff möglich ist. Änderungen in oder an der Registratur müssen durch entsprechende Gremien abgesegnet werden.

An dieser Stelle muss ich immer wieder an Job van Praagh erinnern: „Ist denn überall, wo Buckfast drauf steht, auch Buckfast drin?“

Man erkennt also sehr schnell, dass es sich um keine einfache Sache handelt. Es ist auch nicht damit getan, Daten einfach unkoordiniert in ein System zu importieren. Es hängen z.B. Rechte einzelner Personen daran, mit denen sensibel umgegangen werden muss. VIT besitzt eine große Kompetenz hinsichtlich des Umgangs mit diesen rechtlichen Problemstellungen und ist hier stets auf dem notwendigen neusten Stand.

Von anderen Verbänden wird auch sehr oft gefragt: „Wieviele Buckfastköniginnen werden jährlich kontrolliert angepaart, wie sieht es mit den Leistungsdaten aus?“ Diese Fragen können häufig nur geschätzt, nicht aber fundiert beantwortet werden.

Deswegen möchte ich nochmals auf die Frage zurückkommen: „Kann die Datenbank nicht so wie sie besteht, weitergeführt werden?“

Leider muss ich sagen: „Nein, kann sie nicht.“

Ich möchte an dieser Stelle für eine neue Datenbank mit VIT werben, dort angesiedelt, wo auch Rinder, Schweine, Pferde, Ziegen und Schafe, etc. registriert werden. Bei Profis, die dieses Handwerk schon Jahrzehnte beherrschen. Eine Datenbank, die die Buckfastzucht so abbildet, dass sowohl die Arbeit innerhalb der Gemeinschaft, als auch das Ergebnis dieser Arbeit nach außen, z.B. gegenüber anderen Verbänden, widergespiegelt wird.

Tiere müssen eindeutig mit Papieren zuzuordnen sein, damit mit hoher Wahrscheinlichkeit Buckfast drin ist, wo Buckfast drauf steht.

Das Pedigree soll mehrsprachig geführt werden, auch das ist mit VIT möglich und so kann die GdeB wirklich europäisch werden. Wir alle bilden diese Gemeinschaft. Die Gemeinschaft der europäischen Buckfastimker, unabhängig davon, ob man direktes Mitglied oder über einen Landesverband organisiert ist. Wir alle verkörpern die Kompetenz in der Buckfastzucht und niemand außer uns hat das Recht, diese Daten zu besitzen. Es ist unsere Verpflichtung, das Erbe Bruder Adams entsprechend zu schützen. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass die GdeB auf die Daten des Pedigrees nur über die Internetseite Zugriff hat. Wir haben weder einen USB- Stick noch eine Daten-CD bekommen. Gegenteilige Behauptungen sind falsch.

Die Mail aus Frankreich, die den forcierten Aufbau einer neuen Datenbank demonstriert, zeigt, was mit Open-Source-Daten passieren kann bzw. wenn Daten in der Hand weniger oder einer Person liegen. Die GdeB, wir alle werden von links und rechts überholt. Das kann und darf nicht sein. Es ist unsere Pflicht, uns darum zu kümmern.

Selbstverständlich sind 103.000 € sehr viel Geld. Wir werden aber keine günstigere Lösung finden. Ein Anpassen an Beebreed würde ebenfalls zwischen 95.000 € und 120.000 € kosten, allerdings weniger Autonomie bedeuten, da wir uns einem bestehenden System anschließen würden, dessen Besitzer wir nicht sind. Eine Firma in Süddeutschland, die sich auch mit Zuchtdaten beschäftigt, wäre auch nicht günstiger.

Mit der Annahme des Haushaltes von 2020 hätten wir schon mehr als 50% für die Datenbank angespart! Dieses Geld kommt aus Rücklagen von 2017, 2018 und 2019, Spenden von über 7.000,- Euro sowie dem geplanten Haushalt für 2020. Bei vergleichbaren Haushalten ist das Gesamtprojekt über die ersten fünf Jahre finanzierbar. Wir können es bezahlen, wenn wir es wirklich wollen. Die Beauftragung von VIT ist eine Frage des Willens, nicht des Könnens.

Manche sorgen sich auch um die anschließenden Folgekosten. Auch hier möchte ich auf die solide Haushaltsplanung dieses Vorstandes verweisen. Auch in den Folgejahren ab 2024 können wir die Pflege unseres Pedigrees über unseren normalen Haushalt darstellen. Das gesamte Projekt ist absolut stemmbar, sonst würden wir das Projekt sicherlich nicht anvisieren.

Wenn wir die Qualitätssicherung später mit zusätzlichen Tools ausstatten wollen, würde das natürlich weitere Kosten verursachen – selbst dafür würden sich Möglichkeiten der Finanzierung finden.

Eine Datenbank unter VIT würde es außerdem einfacher machen, an Fördergelder zu gelangen. Unterschätzt diesen Vorteil nicht! Wer bei Ministerien oder Verbänden um Geld für Zuchtarbeit bittet und Daten offenlegen muss, der muss auch nachweisen, wer diese Daten erstellt. VIT repräsentiert eine Kompetenz, die bekannt ist in der Leistungs- und der Nutztierzucht, und da die Buckfastbiene hier einzureihen ist, muss sie auch hier gehostet sein. Mit einem solchen Partner könnten Türen zu Fördertöpfen schneller aufgehen.

An dieser Stelle nochmals mein Aufruf: Ich bitte um die Unterstützung für eine solche Zuchtregistratur. Ich werbe an dieser Stelle für die Buckfastbiene, damit bei der „Standard“- Buckfastzucht, bei einem „SMR“ -Projekt, bei einem „Pool“ oder bei einem Neuanfänger mit einer eigenen Dokumentation eine saubere und einfache Zuchtdokumentation möglich ist. Wir alle, sei es GdeB oder Landesverband, haben der Buckfastbiene gegenüber eine Verpflichtung. Nur mit einem solchen System können wir die Buckfastzucht zukunftsfähig machen.

Magnus Menges
1. Vorsitzender der GdeB

Überweisung

Gemeinschaft der europäischen Buckfastimker Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg
IBAN: DE18 2585 0110 0046 0038 36
BIC: NOLADE21UEL Verwendungszweck: Pedrigree

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